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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1510

Einsichten über Indien aus europäischer Sicht : Zum Erscheinen von "Zunge zeigen"

Frage: Besonderheit an "Zunge zeigen": Dreiteiligkeit mit 90 Seiten Prosa, 50 Zeichnungen, ein langes Gedicht am Schluss; Entstehung dieser Aufteilung? Grass: Tagebuch als Grundlage, das Skizzen enthält; auch die erste Fassung des Gedichts stehe bereits im Tagebuch zwischen den Prosaeintragungen; diese Form habe er fortgeführt bis zum Zeitpunkt nach seinem Indien-Aufenthalt; Frage: im Gedicht und in den Zeichnungen Sichtweise eines Europäers, der sich von dieser Sicht nicht befreien kann Grass: Fremdbleiben gehöre mit dazu und sei Voraussetzung; Frage: irritierende Feststellung am Anfang, das sich Ferne und Nähe gegenseitig aufheben würden; Urteil der Distanz; Grass: das schließe nicht aus, dass man zu europäischen Einsichten komme; Grass ist dagegen, Gegensätze zu verwischen; dass Europäer indischen Gurus nachlaufen und meinen, diese zu verstehen, hält Grass für Schwindel; Frage: politische Kommentierungen hinsichtlich der Vergangenheit Indiens - lehrmeisterhafte Wirkung? Grass: kein Verzicht auf europäische Tradition und Aufklärung; mit einer Anpassung an den Zeitgeist mache man es sich leicht; auch Irrtümer schließt Grass ein in dem, was er schreibt; seine Einsichten will er interessierten Lesern kundtun und der Leser könne davon Gebrauch machen; Frage: Grass verbindet in "Zunge zeigen" das Motiv des Zungezeigens bei den Indern mit dem Foto von Albert Einstein; wie ist Grass zu dem Motiv gekommen? Grass: Bekanntschaft mit Göttin Kali (Göttin der Endzeit und der Vernichtung), Frau des Gottes Shiva, der auch für Zerstörung stehe, schon bei seiner ersten Indien-Reise; Kali strecke laut der Legende aus Schrecken und Scham die Zunge heraus; dies gehöre zu Grass' Versuchen, ein neues Bild für Scham zu finden; er könne leisten, nicht wegzusehen und durch Wörter zu bezeichnen sowie sein "Dreinreden" durch Zeichnungen ("als müsste ich mir zeichnend ins Wort fallen"); dieses Dreinreden könne den Leser interessieren; Frage: Indien-Reise vor 2 Jahren als Flucht in Deutschland aufgefasst; Grass: Dummheit und Wunschdenken; die Reise sei seit Jahren geplant gewesen, doch habe er seine Kinder nicht alleine lassen können; der Besuch sei dann in eine Zeit gefallen, in der als Reaktion auf "Die Rättin" einige Kritiker mit Grass hätten abrechnen wollen; nicht mehr das Buch, sondern der Autor und dessen politische Positionen seien dabei angegriffen worden; Angriff auf Widerspruch gegen den Zeitgeist; dies sei eine harte Zeit gewesen; aus diesem zweiten Grund habe er Deutschland sehr gerne verlassen, was sich auch in dem Buch zeige; in Indien habe er für weitere politische Arbeit Kraft gefasst.


Urtitel:
Interview mit Günter Grass über sein Indien-Buch 'Zunge zeigen'
Anfang/Ende:
Das besondere, Herr…in Indien Kraft gefaßt.
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Veröffentlichung von "Zunge zeigen"

Schlagworte:

Werke:
Die Rättin; Zunge zeigen
Sach:
Shiva; Zeitgeist; Gedicht; Kali; Kritik; Zeichnung; Prosa
Geo:
Indien
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
20.07.1988
Datum Erstsendung:
29.07.1988
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kulturspiegel
Archivnummer:
3404800000 Tontr.-Verweisung 1712181000
Produktionsnummer:
9014280788240
Teilnehmende:

Person:
Scheller, RolfGND (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Interview mit Günter Grass über sein Indien-Buch 'Zunge zeigen'. unbekannt .

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