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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1525

Über Heiner Müller, Christa Wolf und die Stasi

Grass: hat im "Tagebuch einer Schnecke" auf die Frage der Kinder, was ein Schriftsteller sei, geantwortet: "Ein Schriftsteller ist jemand, der gegen die verstreichende Zeit schreibt"; in schnelllebigen Zeiten sei diese Aufgabe der Schriftsteller um so dringlicher; Aufgabe der Literatur sei, ein Gedächtnis zu sein; Stasi-Tätigkeiten von Heiner Müller und Christa Wolf? Vieldiskutierte Fragen in den deutschen Medien; Gespräch mit Günter Grass zu diesem Thema und zu seinem neuen Buch "Unkenrufe" Frage: wie schätzt Grass die Rezeption von "Unkenrufe" ein? Grass: das Buch habe sich bei deutschen Lesern durchgesetzt und einen Erfolg im Ausland gehabt, insbesondere in Polen; in den USA habe Grass wieder einmal gemerkt, dass die angelsächsische Literaturkritik vor allem das Buch selbst wahrnehme; in den USA und in Frankreich sei das Buch positiv aufgenommen worden und habe breites Interesse gefunden; Frage: Position zu Heiner Müller und Christa Wolf? Grass hat die Stasi-Akten eine "Zeitbombe" genannt; Grass: Müller und Wolf seinen zwei ganz verschiedene Fälle, die nur in der Presse gleich behandelt würden; über Heiner Müller sei aus den bisherigen Erkennissen nichts Stichhaltiges zu erkennen; Grass wirft Müller dennoch vor, dass dieser nicht in seiner kürzlich veröffentlichten Autobiographie davon erzählt hat; bei den Verhandlungen der beiden Akademien der Künste habe Müller den Präsidenten der West-Akademie Walter Jens auflaufen lassen, was Grass Müller weiterhin vorwirft; Jens habe sich darauf verlassen, dass Müller völlig unbelastet sei; der Fall Christa Wolf liege lange zurück; sie sei drei Jahre lang tätig gewesen und dann selber ausgestiegen; kurz darauf habe sie schon erste Schwierigkeiten mit ihrem Manuskript zu "Nachdenken über Christa T." bekommen; als Sozialistin und Parteimitglied sei Christa Wolf dennoch widerständig gewesen; (vgl. auch Protest gegen Biermann-Ausschluss); Frage: Müller habe nie verschwiegen, überzeugter Sozialist zu sein; nun versuche man, dies in Verbindung mit der Stasi und auch mit seinem Werk zu bringen; Grass: dies alles gehöre zu dem Versuch, alles, was mit der DDR zu tun hat, zu glätten und auszulöschen; Pauschalurteile auch gegen Malerei der DDR.


Urtitel:
(Grass) Funk-Feuilleton (11.02.1993) - Wald, Peter ; Grass, Günter
Anfang/Ende:
(Trailer) Funk-Feuilleton. Berichte und…sehen lassen. Weiß Gott.
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Ein Jahr nach Erscheinen von "Unkenrufe"; Diskussionen um mögliche Stasi-Verwicklungen von Christa Wolf und Heiner Müller.

Schlagworte:

Person:
Müller, HeinerGND; Wolf, ChristaGND; Jens, WalterGND; Biermann, WolfGND
Werke:
Unkenrufe; Aus dem Tagebuch einer Schnecke; Nachdenken über Christa T.
Sach:
Literaturkritik; Sozialismus; Vergangenheit; Stasi
Geo:
USA; Polen; DDR; Frankreich
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
11.02.1993
Datum Erstsendung:
12.02.1993
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Funk-Feuilleton
Archivnummer:
3404807000 Tontr.-Verweisung: 1720353000
Produktionsnummer:
9014110293240
Teilnehmende:

Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Andreev, Alexander (Interviewpartner)
Person:
Kluge, ErhardGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

(Grass) Funk-Feuilleton (11.02.1993) - Wald, Peter ; Grass, Günter. Köln .

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