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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1541

Der internationale Ruf von Günter Grass : Im Ausland geschätzt, im Inland gehasst

Gespräch mit Professor Dr. Volker Neuhaus (Uni Köln, Grass-Biograph) zur Bedeutung von Grass im Ausland Frage: Wird Grass tatsächlich im Ausland geschätzt und im Inland gehasst? Neuhaus: Zitat aus einem Interview mit Grass, in dem man diesem vorgeworfen habe, mit Terroristen zu sympathisieren; darauf habe Grass selbst darauf verwiesen, im Ausland ein "Anwalt der Bundesrepublik" zu sein; das internationale Ansehen von Grass sei nicht überschätzbar; beim Erscheinen von "Ein weites Feld" und dem Ver- und Zerreißen des Buches in Deutschland, hätten Zeitungen in amerikanischen Kleinstädten ganzseitig über den neuen Grass berichtet; Frage: wichtig für Rolle im Ausland: Übersetzung; Neuhaus: entscheidend für internationalen Durchbruch sei Grass' Erfolg in Amerika gewesen, der exzellente Übersetzungen als Grundlage habe; Hinweis auf Helen Wolff, die Frau des Expressionisten-Verlegers Kurt Wolf, die den Übersetzer Rald Mannheim ausfindig gemacht habe und die Übersetzungen mit großer Sorgfalt lektoriert habe; dadurch sei Grass in Amerika so bekannt und dies habe sicherlich zu Grass' Welterfolg beigetragen; Frage: Erscheinen von "Ein weites Feld" auf Französisch; regionale Probleme für den Autor? Neuhaus: Anekdote über Kurt Wolff, der Grass gefragt habe, wie er selbst die "Blechtrommel" einschätze; Grass habe geantwortet, dass sein Roman in Danzig spiele und aus der Provinz komme und dass er an einen internationalen Erfolg nicht glaube; darauf habe Grass geantwortet, dass alle große Literatur aus der Provinz komme; die deutsche Geschichte in Grass' Roman könne durchaus auch auf Interesse in Frankreich stoßen; Frage: Viele ausländiche Schriftsteller, die sich auf Grass als ihren Lehrmeister beziehen; was lernen sie von Grass? Neuhaus: Grass habe eine Welle ausgelöst, die zwei Aspekte habe: 1. das Grausige komisch zu erzählen, 2. das Groteske mit dem Realistischen zu verbinden (Beispiel "Blechtrommel"); dies hätten jüngere Autoren wohl von Grass gelernt; Frage: wichtier Aspekt: Grass, der Aufklärer? Neuhaus: Grass fühle sich der Aufklärung verpflichtet; in seinen Romanen kläre er duch Detailgenauigkeit auf; Momoria-Funktion der Literatur; Darstellung der "Banalität des Bösen" in der "Blechtrommel"; bei Böll seien die Nazis die "anderen"; ähnlich bei Andersch; Grass habe gezeigt, dass die "anderen" wir selber sind und dies sei Aufklärung; Frage: Abschluss der Tagung ist ein Vortrag mit dem Titel "Grassomanie" - was ist das? Neuhaus: ist selber gespannt auf den Verlauf des Kongresses und dessen Ende mit diesem Thema; Frage: Arbeit an der Grass-Monographie aufwändig? Neuhaus: Ernte der Früchte der fast 40jährigen Beschäftigung mit Grass; problematisch lediglich, dass Neuhaus die distanzierte Freundschaft zu Grass mit seiner Monographie nicht gefährden wollte; in Grass' Bewertung der USA stimmt Neuhaus nicht mit Grass überein und habe dies auch deutlich in seinem Buch gesagt; auf private Details zu verzichten, sei ihm aber nicht schwergefallen; Frage: Hätte Grass den Literaturnobelpreis verdient? Neuhaus: bejaht; Böll habe bei der Verleihung des Nobelpreises an ihn gesagt: "Wieso ich? Grass hätte ihn verdient"; bei Grass seien noch viel mehr als bei Thomas Mann Autoren in die Schule gegangen (John Irving, Salman Rushdie); Grass sei ein "längst überfälliger Kandidat" für den Nobelpreis.


Urtitel:
Kulturthema. Literatur (06.10.1997)
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Heute geht es…28 Mark zu haben. (Abmoderation)
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Kurz vor dem 70. Geburtstag von Günter Grass; Veröffentlichung der Grass-Monographie "Schreiben gegen die verstreichende Zeit" von Professor Dr. Volker Neuhaus; internationaler Kongress mit dem Titel "Im Ausland geschätzt, im Inland gehasst" auf Einladung von Neuhaus.

Schlagworte:

Person:
Böll, HeinrichGND; Andersch, AlfredGND; Mannheim, Ralf
Werke:
Die Blechtrommel; Unkenrufe; Ein weites Feld; Schreiben gegen die verstreichende Zeit; Sansibar oder der letzte Grund
Sach:
Übersetzung; Lektorat; Ausland
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
06.10.1997
Datum Erstsendung:
09.10.1997
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kulturthema: Literatur
Archivnummer:
3404818000 Tontr.-Verweisung:1728656000
Produktionsnummer:
58249
Teilnehmende:

Person:
Kluge, ErhardGND (Interviewpartner)
Person:
Neuhaus, VolkerGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Kulturthema. Literatur (06.10.1997). unbekannt .

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