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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1552

Stimmen zu Christa Wolfs 70. Geburtstag : Statements von Günter Grass, Christoph Hein und Christa Wolf

Grass: "Der geteilte Himmel" entstand im Verhältnis zu Uwe Johnson; in der deutschen Literatur sei Christa Wolf nicht wegzudenken; nicht die Literatur, die Wolf zu DDR-Zeiten geschrieben habe, sondern auch die Werke nach der Wende, die sie trotz Verletzungen geschrieben habe, würden sie als große Autorin auszeichnen; Christoph Hein: die Generation Grass/Wolf sei stark von der Nachkriegszeit geprägt; nachfolgende Generationen hätten eine andere Haltung zu Krieg und Nachkriegszeit; für Grass und Wolf sei diese Zeit lebenslang prägend für Schreibhaltung und Weltsicht; dies habe man zu respektieren, es sei fatal, dies zu vergessen; Grass: Christa Wolf sei wichtige Autorin der Nachkriegsliteratur; die Überraschung der Rede Martin Walsers sei, "dass sich jemand ermüdet abwenden will"; dies habe zu Missverständnissen und Auseinandersetzungen geführt; Grass wünscht sich Martin Walser dabei in dem "Konzert" dieser Generation; die junge Generation, die Bereitschaft zeige, Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie keine Schuld habe, müsse aufgeklärt werden; das Wissen müsse in literarischer Form weitergereicht werden; das Nachwirken der Vergangenheit in der Gegenwart müsse deutlich gemacht werden; Hein: wichtigstes Buch von Wolf sei "Kindheitsmuster"; besondere Wirkung auf Zeitgenossen; beginnende Debatte über Kriegszeit; auch literarisch sei "Kindheitsmuster" das wichtigste Buch von Wolf; Christa Wolf auf einer Schriftstellertagung: Tagung übe berechtigte Kritik; man müsse offensiver werden; Grundlagen der Bitterfelder Konferenz müssten zurückgenommen oder verhindert werden; Wolf warnt vor Opportunismus und das Ausklammern der Schriftsteller bei Diskussionen und Zensur; man dürfe nicht zulassen, dass das "freie Verhältnis zum Stoff", das man errungen habe, verloren ginge; Grass: Wolf habe kleine Schritte versucht durch Einsprüche innerhalb der Partei; damit habe sie Mut bewiesen; empörend sei die westdeutsche Haltung gegenüber Wolf, die man zunächst als Oppositionelle begrüßt und dann aber verfehmt habe; damit habe man die ganze DDR-Literatur getroffen; schlimmer noch sei das Schweigen über diese Haltung gewesen; nur wenige Autoren (Grass, Walter Jens) hätten dagegen protestiert; "Hexenjägerei" der westdeutschen Presse sei "ein schmähliches Kapitel innerhalb der deutschen Literaturgeschichte" gewesen; seitdem würden die DDR-Autoren sich zurückhalten; im missglückten deutschen Einheitsprozess hätten genau diese Stimmen gefehlt; Hein: es sei damals nicht nur um Christa Wolf und DDR-Literatur allgemein gegangen, sondern es habe vielmehr "die letzte Schlacht des Kalten Krieges" stattgefunden; diese habe im Feuilleton stattgefunden mit Kränkungen und Verletzungen; Wolf sei dabei exemplarisch erschienen; diese Vorgänge hätten Wolf wohl nachhaltig verletzt; die Auswirkungen für ihr Schreiben seien unabsehbar; Grass: wünscht sich, dass man bei Wolf noch einmal nachlese und das Unrecht begreife, dem sie ausgesetzt gewesen sei; der Briefwechsel mit Franz Fühmann zeige, wie Wolf und Fühmann versucht hätten, mehr Freiraum für die Literatur zu schaffen und zeige auch das Beschwernis der Opposition im eigenen Lager; Wolf: in der DDR hätten Autoren viele Funktionen übernehmen müssen, was nun nicht mehr der Fall sei; Wolf hat dies als Befreiung empfunden; Grass: erstaunlich sei, dass die Leser Christa Wolf treu geblieben seien, sowohl in Ost als auch in West; mit "Kassandra" und "Medea" habe sie noch Leseerfolge in beiden Teilen Deutschlands gehabt; Hein: wünscht Christa Wolf, dass sie von den Belästigungen der letzten Jahre frei werden könne und frei schreiben könne und ihr Aufgabe des Erinnerns weiter wahrnehmen könne; sie habe in Deutschland nach wie vor viele Leser und sei nach wie vor eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen in Deutschland; man wünsche sich Bücher von ihr.


Urtitel:
Statement Günter Grass, Christoph Hein über Christa Wolf
Anfang/Ende:
Es begann mit…Bücher. Ich auch.
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

70. Geburtstag von Christa Wolf

Schlagworte:

Person:
Johnson, UweGND; Walser, MartinGND; Jens, WalterGND; Fühmann, FranzGND
Werke:
Medea; Der geteilte Himmel; Kindheitsmuster; Kassandra
Sach:
Nachkriegsliteratur; Erinnerung; Opposition
Geo:
DDR
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
12.03.1999
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Archivnummer:
3501904000 Tontr.-Verweisung: keine
Produktionsnummer:
3202120399301
Teilnehmende:

Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Hein, ChristophGND (Sprecher(in))
Person:
Wolf, ChristaGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Statement Günter Grass, Christoph Hein über Christa Wolf. unbekannt .

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