Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1642

Reaktionen aus Deutschland zum "Geständnis" von Günter Grass

Die schärfsten Urteile zum Waffen-SS-"Geständnis" kommen von Rolf Hochhut und Joachim Fest; laut Hochhut sei Grass moralisch diskreditiert, Grass' Aussagen über Helmut Kohl und Konrad Adenauer seien "ekelhaft und widerlich"; auch der Grass-Biograph Michael Jürgs zeigt sich persönlich enttäuscht; O-Ton Jürgs: hinsichtlich der Verdrängungsschuld der Deutschen denke er jetzt immer auch an Günter Grass; diesem würde nun ein Makel anhaften (siehe DB 1645); Hellmuth Karrasek vermutet Marketing-Strategien hinter dem "Geständnis"; O-Ton Karrasek: Grass hätte den Nobelpreis riskiert, wenn er seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS früher aufgedeck hätte (siehe dazu DB 1646); vom Zeitpunkt und von den Motiven des Grass-"Geständnisses" sind viele Kritiker irritiert; Günter Kunert: Grass hat sehr spät, zu spät die Mitgliedschaft in der Waffen-SS aufgedeckt; es hätte ihm nicht geschadet, wenn Grass es früher gesagt hätte; das Zögern von Grass sei unverständlich; Schriftsteller älterer Generationen bringen aber Verständnis für Grass auf; Dieter Wellershof: das Fehlverhalten sei mehr taktischer Art und weniger moralsicher Art; Grass habe sein jugendliches Fehlverhalten verdrängt; Robert Menasse, Erich Loest und Walter Kempowski sind der Ansicht, dass Grass sich zwar früher hätte äußern müssen, halten es aber für ehrenhaft, dass er es nun getan habe; Volker Neuhaus: Grass habe nie verschwiegen, Nazi gewsen zu sein; er habe nur jene Leute angegriffen, die ihre Vergangenheit verdrängt hätten; seinen demokratischen Impetus habe Grass gerade daraus gezogen, dass er in seiner Jugend einer totalitären Ideolgie gefolgt sei; am stärksten nimmt Walter Jens Grass in Schutz, der 2003 selbst in die Schlagzeilen geraten war, dem vorgeworfen worden war, Mitglied der NSDAP gewesen zu sein; eine wissentliche Mitgliedschaft wird von Jens hingegen abgestritten Walter Jens: Grass' Geständnis sei redlich, es sei spät, aber nicht zu spät; der Zeitpunkt sei richtig gewählt.


Urtitel:
Reaktionen aus Deutschland zum Geständnis von Günter Grass, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein
Anfang/Ende:
Am schärfsten fallen…eines großen Schriftstellers.
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Debatte um die Zugehörigkeit von Günter Grass zur Waffen-SS

Schlagworte:

Person:
Menasse, RobertGND; Loest, ErichGND; Kempowski, WalterGND; Kohl, HelmutGND; Adenauer, KonradGND; Hochhuth, RolfGND
Sach:
Verdrängung; Marketing; Waffen-SS; Schriftsteller; Schweigen; Geständnis; Nationalsozialismus
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
14.08.2006
Datum Erstsendung:
14.08.2006
Aufnahmeort:
Bonn
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kultur Aktuell
Archivnummer:
3583185000
Produktionsnummer:
70583906
Teilnehmende:

Person:
Jürgs, MichaelGND (Mitwirkende(r))
Person:
Karasek, HellmuthGND (Mitwirkende(r))
Person:
Kunert, GünterGND (Mitwirkende(r))
Person:
Wellershoff, DieterGND (Mitwirkende(r))
Person:
Neuhaus, VolkerGND (Mitwirkende(r))
Person:
Jens, WalterGND (Mitwirkende(r))
Person:
Kürten, JoachimGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Reaktionen aus Deutschland zum Geständnis von Günter Grass, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Bonn .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export