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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1648

Es war nicht wegen des Marketings (engl.)

Über Günter Grass ist eine Debatte entbrannt, seit öffentlich wurde, dass er bei der Waffen-SS gewesen ist; Grass hat dies in einem Interview der FAZ bekanntgegeben, das sich um sein neues, autobiographisches Buch "Beim Häuten der Zwiebel", das im September veröffentlich werden soll, dreht; bekannt war, dass Grass im Krieg als Luftwaffenhelfer gedient hat, neu ist allerdings, dass er sich für die U-Boot-Marine freiwillig gemeldet hat; daraufhin ist er in die Waffen-SS eingezogen worden; im Krieg wurde Grass verwundet und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Gespräch: Ulrike Sarkany (NDR): Frage: Grass nimmt eine feste Stellung in der deutschen Literatur und Gesellschaft seit Jahrzehnten ein Sarkany: bestätigt; Grass sei nicht nur ein berühmter Autor, sondern auch eine Art Gewissen der Nation; ein den späten 1940er / frühen 1950er Jahren sei Grass ein führendes Mitglied der Gruppe 47 gewesen [Grass kam erst 1955 zur Gruppe 47!, F.R.]; Grass sei auch eine eine prominente politische Figur, er habe Willy Brandt unterstützt; das politische Geschehen habe er fortlaufend kommentiert. Frage: Grass sagt, er habe "Beim Häuten der Zwiebel" geschrieben, um dieses Detail öfffentlich zu machen - ist das zutreffend? Sarkany: glaubt Grass; Grass habe dies nicht aus Marketing-Gründe öffentlich gemacht; über 800 000 jungen Männer hätten zur Waffen-SS gehört, sie seien am Ende des Krieges ausschließlich als Soldaten eingesetzt worden; Grass hat immer zugegeben, dass er mit 17 Jahren Soldat gewesen ist; Grass hat nun in "Beim Häuten der Zwiebel" öffentlich gemacht, dass er bei der Waffen-SS und nicht bei der Wehrmacht gewesen ist. Frage: Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Grass wegen des Nobelpreises geschwiegen habe - ist dies glaubwürdig? Sarkany: verneint; Grass habe wohl nie darüber nachgedacht. Frage: Lech Walensa fordert, dass Grass die Ehrenbürgerschaft der Stadt Danzig abgibt; einige fordern sogar die Rückgabe des Nobelpreises - ist dies realistisch und fair? Sarkany: Interessant sei hier die Reaktion der Öffentlichkeit; die jüngeren Generationen würden Grass' Vergangenheit akzeptieren während die Älteren enttäuscht seien; die Öffentlichkeit hat Grass zu einer moralischen Instanz gemacht; Grass sei nach wie vor ein brillianter Autor und habe den Nobelpreis nach wie vor verdient.


Urtitel:
Arts on The Air (332006)
Anfang/Ende:
Well, another german... to their senses.
Genre/Inhalt:
Biographie
Historischer Kontext:

Debatte um die Mitgliedschaft von Günter Grass in der Waffen-SS.

Schlagworte:

Person:
Brandt, WillyGND; Walesa, LechGND
Werke:
Beim Häuten der Zwiebel
Sach:
Autobiographie; Waffen-SS; Wehrmacht; Interview; Nobelpreis
Geo:
Danzig; Gdansk
Zeit:
1950er Jahre; 1940er Jahre
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
15.08.2006
Datum Erstsendung:
15.08.2006
Aufnahmeort:
Bonn
Sprachen:
englisch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Arts on The Air
Archivnummer:
3583209000
Produktionsnummer:
692569
Teilnehmende:

Person:
Sarkany, UlrikeGND (Sprecher(in))
Person:
O'Shea, Breandain (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Arts on The Air (332006). Bonn .

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