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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1661

Ein Geschenk für Lech Walesa (tel.) : Telefoninterview über die schriftliche Stellungnahme von Günter Grass zu seiner früheren Mitgliedschaft der Waffen-SS

Frage: Grass hat schriftlich sein Bedauern über die Debatte zur Waffen-SS geäußert - mit welchen Worten? Sander: zitiert den Kernsatz: Grass bedauert es, seiner Heimatstadt Gdansk eine Entscheidung aufgebürdet zu haben, die leichter zu treffen wäre, wenn sein Buch bereits in polnischer Übersetzung vorliegen würde; darin klinge ein Entschuldigungsversuch an und die Suche nach Verständnis; andererseits ließe sich darin auch geschicktes Marketing erkennen; Frage: Grass spricht von einer harten Lektion in jungen Jahren, die er begriffe habe und von der seine Bücher und sein politisches Wirken zeugen würden - Versuch einer Selbstentschuldung? Sander: man könne dem Brief kein richtiges Schuldbekenntnis entnehmen; Grass verweise auf seine Fehler, allerdings unabhängig von seiner Person; Frage: Büßerpose in den Zeilen von Grass? Sander: kaum erkennbar; vielleicht typisches Symptom bei Schriftstellern seiner Generation ("Flackhelfer-Generation"), die intellektuell den Nationalsozialismus begriffe und verurteilt hätten, aber Schwierigkeiten mit öffentlicher Reue hätten; Frage: Lech Walesa ist nach dem Brief von Grass zurückgerudert und hat seine Forderung, Grass solle die Ehrenbürgerwürde zurückgeben, zurückgezogen; Grund für den Sinneswandel bei Walesa? Sander: Walesa habe in dem Brief Reue gefunden und sei wohl froh darüber gewesen, zurückrudern zu dürfen; als alter Grass-Freund sei er durch die Forderung zunächst in die Nähe der national-klerikalen polnischen Regierung geraten; der Brief von Grass sei eine Erklärung und eine Rechtfertigung, aber keine Entschuldigung; für Lech Walesa sei es ein "Geschenk" gewesen.


Urtitel:
Interview mit Martin Sander über den Grass-Brief (aus der Sendung um 11:45 Uhr)
Anfang/Ende:
Herr Sander, Günter…für Lech Walesa.
Genre/Inhalt:
Biographie
Historischer Kontext:

Debatte um Grass' Zugehörigkeit zur Waffen-SS und eine mögliche Aberkennung der Danziger Ehrenbürgerwürde von Günter Grass.

Schlagworte:

Person:
Walesa, LechGND
Sach:
Reue; Brief; Waffen-SS; Nationalsozialismus
Geo:
Danzig
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
23.08.2006
Datum Erstsendung:
23.08.2006
Aufnahmeort:
Bonn
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
WAV
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kultur aktuell
Archivnummer:
3583672000
Produktionsnummer:
7058406
Teilnehmende:

Person:
Sander, MartinGND (Sprecher(in))
Person:
unbekannt, (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Interview mit Martin Sander über den Grass-Brief (aus der Sendung um 11:45 Uhr). Bonn .

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