Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1804

Kritik auswärtiger Kulturpolitik

Frage: Grass hat die Rolle des auswärtigen Amtes hinsichtlich der auswärtigen Kulturpolitik kritisiert; Künstler und Schriftsteller seien im Ausland behindert worden und von den Botschaften nicht ernst genommen worden; welches Beispiel kann Grass nennen? Grass: hat die Arbeit des Goethe-Instituts gelobt; in Brüssel seien seine kritischen Äußerungen im Auftrag des Botschafters in einem Dossier zusammengefasst worden; dies seien DDR-Methoden; Grass plädiert für eine größere Autonomie der Goethe-Institute; Frage: Die Autonomie der Goethe-Institute ist durch einen Rahmenvertrag aus den 70er Jahren gesichert; wo sieht Grass Möglichkeiten zur Modifizierung? Grass: Das Einspruchsrecht des Botschafters müsse eingeschränkt werden; im Ausland werde den Deutschen Misstrauen entgegen gebracht, die geäußerte Kritik sei oft klischeehaft; die beste Werbung für Deutschland sei, die eigenen Missstände öffentlich zu diskutieren; die Botschafter seien offenbar bemüht, ein positives Bild nach außen zu tragen; diese Rolle stünde den Künstlern nicht zu, sie seien nicht Repräsentanten eines Staates; die deutschsprachige Literatur sei nicht an Landesgrenzen gebunden; die DDR und die BRD hätten eine Tendenz zu einer gesamtdeutschen Literatur trotz unterschiedlicher Erfahrungen; Frage: Versteht sich Grass im Ausland als besserer Diplomat? Grass: Hat dies im Zusammenhang mit dem Terrorismus in Deutschland und der "ohnmächtigen Reaktion" darauf geasgt; im Ausland sei man damals deswegen auf Unverständnis und auf klischeehafte Kritik gestoßen; die Schriftsteller hätten sich dadurch in einer schwierigen Situation befunden; die Botschaften seien der Situation nicht gewachsen gewesen; in diesem Zusammenhang hätten sich dann Literaten als die besseren Diplimaten erwiesen; Frage: Wird in der auswärtigen Kulturpolitik "die Freiheit zu Tode gelangweilt"? Grass: man wolle offenbar ein harmonisches Bild erzeugen; zur Tradition des Goethe-Instituts gehöre es, auch die Widersprüche mit aufzunehmen; im Ausland werde man mit Fragen konfrontiert; es komme darauf an, die Missstände zuzugeben und zu erklären, und dass die Bundesrepublik nicht mit Flick und Politikern, die sich von Flick hätten kaufen lassen, gleichzusetzen sei [gemeint ist die sogenannte Flick-Affäre].


Urtitel:
Kulturreport: Auswärtige Kulturpolitik und ihre Kritiker
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Das Thema Schriftsteller…haben kaufen lassen.
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Gespräch anläßlich eines Kolloqiuim über auswärtige Kulturpolitik in Bonn zur am Ende des Interviews genannten Flick-Affäre: Die Flick-Affäre, auch Flick-Parteispendenaffäre, bezeichnet in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einen in den 1980er Jahren aufgedeckten politischen Skandal um verdeckte Parteispenden des Flick-Konzerns zur Pflege der politischen Landschaft, wie Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch die Praktiken nannte, und der möglichen konkreten Entscheidungsbeeinflussung im Zusammenhang mit einem für den Flick-Konzern und den Konzernchef Friedrich Karl Flick günstigen Entscheid des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Flick-Affäre führte zu einem deutlichen Vertrauensverlust gegenüber den beteiligten Parteien in der Bevölkerung.

Schlagworte:

Person:
Genscher, Hans-DietrichGND
Sach:
Kulturpolitik; Terrorismus; Goethe-Institut; Flick-Affäre; Ausland; Botschafter; Kultur
Geo:
BRD; DDR
Zeit:
1970er Jahre
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
25.10.1984
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutschlandradio (DLR)
Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sender / Institution:
Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
Sendereihe:
Kulturreport
Archivnummer:
Bandnr.: 626 772
Teilnehmende:

Person:
Scheller, RolfGND (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Anmerkung:
Formalangaben lt. RIAS Karteikarte. Übernahme von Radio Bremen

Zitieren

Zitierform:

Kulturreport: Auswärtige Kulturpolitik und ihre Kritiker.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export