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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1823

Friedenstreffen der Schriftsteller in Ost-Berlin 1983 in der Berliner Akademie der Künste : Gespräch mit Günter Grass und Stephan Hermlin

Bericht vom Friedenstreffen der Schriftsteller Lothar Wichert im Gespräch mit Stephan Hermlin und Günter Grass Frage: Hermlin hat vor 18 Monaten die erste Begegnung von Schriftstellern und Intellektuellen in Berlin-Ost mit dem gleichen Thema organisiert - wie sieht er die jetzige Veranstaltung? Hermlin: jetziges Treffen vor allem von Günter Grass initiiert; die Kriegsgefahr sei sehr viel größer geworden und man könne einen wichtigen Beitrag leisten, habe sogar die moralische Verpflichtung dazu; Frage: Was können die Schriftsteller tun? Grass: Schriftsteller hätten eine andere Sicht von Geschichte und Wirklichkeit; den Politiker könnten sie nicht ersetzen, ihnen fehle Macht und Spezialwissen; durch die nukleare Bedrohung sei man aber in der Pflicht; Tschingis Aitmatow habe dies sehr deutlich formuliert; Frage: Das Treffen hat Debatten ausgelöst; sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen hat Grass als "lächerlich" bewertet; Grass: Schriftsteller sollten immer als Schriftsteller argumentieren und dürften nicht die Linie der Politik verlängern; es seien auch Schriftsteller aus Ungarn und der Tschechoslowakei anwesend; der ungarische Autor György Konrád vertrete eine kritische Position dem Ostblock gegenüber; man könne also nicht sagen, dass die westlichen Schriftsteller für den Westen und die östlichen Schriftsteller für den Osten sprechen würden; Schrifsteller würden aus eigener Verantwortung sprechen, dies müsse notwendigerweise kontrovers sein; Frage: Kritik an dem Treffen wegen der Trennung von Menschenrechten und Friedensbewegung; Hermlin hat für die Trennung plädiert; Hermlin: stimmt zu; es würde eine große Behinderung der Friedensbewegung, die Frage der Menschenrechte mitzudiskutieren; dies sei aber sein persönlicher Standpunkt; Grass habe Recht mit der Bemerkung, dass man sich nicht auf den kleinsten Nenner einigen dürfe; die reale Gefahr einer Raketenstationierung dürfe nicht von anderen Themen verdrängt werden; Frage: Grass hat Hermlin widersprochen Grass: sieht eine Weiterentwicklung der Friedensbewegung als behindert an, wenn man sie von Menschenrechten trenne; Rolf Schneider habe als Beispiel angeführt, dass es in Jena zu Verhaftungen gekommen sei; man werde unglaubwürdig, wenn man sich nicht auf die Seite der Friedensbewegung in Ost und West stelle Hermlin: hebt hervor, dass ein präzises Sprechen sehr wichtig ist; es habe sich in Jena nicht um Verhaftungen gehandelt; die im Dezember in Jena Verhafteten seien längst wieder frei; dies sei in der Presse fast gar nicht bemerkt worden; im Februar habe es sich nicht um Verhaftungen gehandelt, sondern um ein Einschreiten gegen eine Demonstration; dieses Einschreiten sei beklagenswert genug; Frage: Es hat Vorwürfe gegeben, warum bestimmte Schriftsteller (Pavel Kohout, Wolf Biermann) nicht eingeladen wurden Grass: Die Vorwürfe seien nicht berechtigt; man habe gesehen, dass alle Positionen besetzt seien; drei DDR-Autoren hätten leider abgesagt; bei der Einladung habe man auf eine Beschränkung auf 40 Personen geachtet und sieben oder acht Autoren eingeladen, die die DDR verlassen hätten; Grass weist jegliche Beschuldigungen zurück.


Urtitel:
Friedenstreffen der Schriftsteller in Ost-Berlin: Internationales Schriftstellertreffen mit Teilnehmern aus beiden Teilen Deutschlands und dem Ausland
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Ein zweitägiges Treffen…Akademie der Künste. (Abmoderation)
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Zweitägiges Treffen von Schriftstellern und Intellektuellen der BRD und der DDR in der ostberliner Akademie der Künste; initiiert wurde es von Mitgliedern der Abteilung "Literatur" der Akademie der Künste (Günter Grass, Peter Härtling, Stephan Hermlin, Uwe Johnson und Walter Höllerer); Thema des Treffens ist die Kriegsbedrohung und der Umgang mit der Kriegsbedrohung. Das Treffen ist dokumentiert in: Zweite Berliner Schriftstellertreffen. Den Frieden erklären. Protokolle des zweiten Berliner Schriftstellertreffens am 22./23. April 1983. Der vollständige Text aller Beiträge aus Ost und West. Sammlung Luchterhand-TB 1983.

Schlagworte:

Person:
Aitmatov, TschingisGND; Konrád, GyörgyGND; Kohout, PavelGND; Biermann, WolfGND
Sach:
Menschenrechte; Friedensbewegung; Verhaftung; Kriegsgefahr; Frieden
Geo:
Sowjetunion; Berlin; Ungarn; Tschechoslowakei; DDR; Jena
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
22.04.1983
Aufnahmeort:
Berlin, Akademie der Künste
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutschlandradio (DLR)
Sender / Institution:
Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
Sendereihe:
Rundschau am Mittag (Kulturplitik)
Archivnummer:
599 037
Teilnehmende:

Person:
Wichert, LotharGND (Interviewpartner)
Person:
Hermlin, StephanGND (Sprecher(in))
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Friedenstreffen der Schriftsteller in Ost-Berlin: Internationales Schriftstellertreffen mit Teilnehmern aus beiden Teilen Deutschlands und dem Ausland. Berlin, Akademie der Künste .

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