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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1833

Micha Brumlik übt Kritik am Gedicht von Günter Grass (tel.)

Grass, Günter GND

Zitate aus dem Gedicht "Was gesagt werden muss" Interview mit dem Erziehungswissenschaftlier und Publizisten Micha Brumlik (Goethe-Universität Frankfurt) Frage: Was hält Brumlik von dem Gedicht? Brumlik: ist entrüstet darüber, dass ein Nobelpreisträger sein dichterisches Talent "missbraucht, um Agitpop-Literatur zu publizieren" Frage: Was missfällt Brumlik? Brumlik: Grass erwähne in keiner Zeile, dass der Iran Israel verbal bedrohe und bald in der Lage sein werde, diese Drohungen auch umzusetzen; dies hätte Grass mindestens erwähnen müssen Frage: Was Grass über Israel sagt, werde dadurch aber nicht zwangsläufig falsch Brumik: stimmt zu; der Grund für die atomare Bewaffnung Israels sei aber, dass nicht alle Nachbarn Israels die Existenz des Staates anerkennen würden; unter diesen Umständen sei es verteidigbar, dass Israel Atomwaffen vorhalte Frage: In Deutschland gilt Kritik an Israel als Tabu; Grass nimmt auch den Antisemitismus-Vorwurf vorweg; kann Brumlik dies nachvollziehen? Brumlik: verneint; Umfragen zufolge würden mehr als 50% der Deutschen Israel als Hauptgefahr für den Weltfrieden halten; dies sei zwar nicht haltbar, wer diese Meinung äußere, müsse aber mit Kritik rechnen; Frage: Müsste Grass das Tabu, Israel zu kritisieren, aufrecht erhalten? Brumlik: Jeder habe das Recht, die Israelische Regierung zu kritisieren; dies mache die Kritik aber nicht berechtiger; ein Tabu bestehe aber eigentlich nicht mehr; Frage: Warum hätte Grass Israel nicht kritisieren dürfen? Verschärft Grass damit den Konflikt? Verlangt die Vergangenheit, dass Grass schweigt? Brumlik: Grass solle sich die Kritik nicht verkneifen; er müsse aber die zugespitzte Situation der Bedrohung Israels ernst nehmen; hinzu komme, dass Israel gar keine Interessen am Iran habe; Israel versuche mit Atomwaffen lediglich abzuwehren, dass der Iran möglicherweise zu Atomwaffen komme; im Iran agierten offenbar "politisch Verrückte" und es bestehe die Gefahr, dass diese ihre Drohungen wahr machten; Frage: Bislang hat Grass sich mit Äußerungen zum Nahost-Konflikt zurückgehalten; warum meldet er sich jetzt zu Wort? Brumlik: Die Stimmung im Westen sei angespannt, es drohe ein Krieg; Grass sei schon immer von "starken apokalyptischen Stimmungen heimgesucht" worden; Verweis auf Grass' Äußerungen zur Nachrüstungspolitik und auf den Roman "Die Rättin"; diese apokalyptische Stimmung habe Grass nun offenbar wieder sehr heftig ergriffen.


Urtitel:
Symbolische Intervention
Anfang/Ende:
Es ist das…Brumlik. Ja. Bitte!
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Historischer Kontext:

Drohender Atom-Konflikt zwischen Israel und Iran; Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" von Günter Grass in der "Süddeutschen Zeitung", in der "New York Time" und in "La Republica"; das Gedicht löst eine breite Debatte in Deutschland aus.

Schlagworte:

Werke:
Was gesagt werden muss
Sach:
Antisemitismus; Gedicht; Atomkonflikt
Geo:
Israel; Iran
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
04.04.2012
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
mp3
Kopie:

Datenformat Sichtung:
nicht zutreffend
Datenformat Archiv:
nicht zutreffend
Herkunft:

Sender / Institution:
Südwestrundfunk (SWR)
Sendereihe:
SWR 2 Journal
Teilnehmende:

Person:
Brumlik, MichaGND (Sprecher(in))
Person:
unbekannt, (Sprecher(in))
Person:
Fichtner, Nela (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Autor(in))

Zitieren

Zitierform:

Grass, Günter: Symbolische Intervention. unbekannt .

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