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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1847

Reaktionen der israelischen Politiker und Medien auf das israelkritsche Gedicht : Tim Aßmann berichtet aus Tel Aviv

Der israelische Innenminister Eli Jischai verteidigt das Einreiseverbot für Günter Grass nach dessen umstrittenen israelkritischen Gedicht "Was gesagt werden muss"; seine Thesen, so Eli Jischai, solle Grass im Iran vertreten und werde dort Gehör finden; in Israel sei Grass dagegen nicht mehr willkommen; O-Ton Eli Jischai (telefonisch, deutsch übersprochen): erklärt Grass zur 'persone non grata'; als ein Mann, der eine SS-Uniform getragen habe, dürfe Grass in Zukunft nicht mehr einreisen; in den letzten Jahren hat Israel auch anderen Personen die Einreise verweigert, u.a. pro-palästinensichen Aktivisten und Politiker, deren Ansichten nicht mit denen der israelischen Regierung übereingestimmt haben; bezüglich Grass betont Eli Jischai, dass er nach gültigem recht handle; Eli Jischai: Der Innenminister habe das Recht, ein Einreiseverbot auszusprechen, wenn es sich wie in diesem Fall - eine Person, die Hetze betreibe - um eine außergewöhnliche Situation handele; Grass wolle, so Eli Jischai, mit seinem Gedicht Hass schüren und Ideen verbreiten, die er schon als Mitglied der Waffen-SS gehabt habe; für Eli Jischai ist es eine Ehre, Grass die Einreise zu verbieten; Israels Außenminister Avigdor Lieberman hat sich den Worten des Innenministers angeschlossen; Grass gehöre zu denjenigen westlichen Intellektuellen, die aus Marketing-Gründen "das jüdische Volk auf dem Altar des Antisemitismus opfer wollten"; Lieberman fordert Europa auf, antisemitische Äußerungen zu verurteilen; Premierminister Netanjahu hatte das Grass-Gedicht als ignorant und beschämend bezeichnet; die israelischen Politiker haben sich somit der Mehrheit der Kritik israelischer Verbände weltweit angeschlossen; Grass' These, Israel könne mithilfe der aus Deutschland gelieferten U-Boote Atomsprengköpfe auf den Iran abfeuern, blieb von israelischer Seite unkommentiert; der Besitz von Atomwaffen wurde von Israel offiziell nie bestätigt; die Öffentlichkeit in Israel hat nur zögerlich auf das Grass-Gedicht reagiert; die israelischen Medien erinnern dabei an die Waffen-SS-Mitgliedschaft von Günter Grass; Tenor der Kommentare in den Medien: "Was will man von so einem erwarten?"; andere Stimmen haben das Gedicht als überflüssig bezeichnet, da Grass nichts Neues anspreche; seit Monaten wird in Israel eine Debatte über den Sinn eines möglichen Militärschlags gegen den Iran geführt; daher reagieren viele mit Unverständnis darüber und sind der Meinung, Grass wisse nicht, worüber er rede.


Urtitel:
"Persona non Grata" - Einreiseverbot für Grass in Israel
Anfang/Ende:
Innenminister Eli Jischai...Aßman, Tel Aviv.
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Historischer Kontext:

Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" und anschließende Debatte um die Israel-Kritik von Günter Grass. Einreiseverbot für Günter Grass nach Israel.

Schlagworte:

Person:
Netanjahu, BenjaminGND; Lieberman, AvigdorGND
Werke:
Was gesagt werden muss
Sach:
Antisemitismus; Waffen-SS; Atomwaffen; U-Boot; Einreiseverbot
Geo:
Israel; Iran
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
08.04.2012
Aufnahmeort:
Israel, Tel Aviv
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
mp3
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Aßmann, Tim (Sprecher(in))
Person:
unbekannt, (Sprecher(in))
Person:
Ischia, Illi (Mitwirkende(r))

Zitieren

Zitierform:

"Persona non Grata" - Einreiseverbot für Grass in Israel. Israel, Tel Aviv .

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