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Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1851

Resümee zur Medienresonanz des israelkritischen Gedichts

Cordsen, Knut

Kommentar von Knut Cordsen zur Debatte um "Was gesagt werden muss": In der Debatte um Grass und sein Gedicht "Was gesagt werden muss" müsse man "auf dem Teppich bleiben"; Grass verkörpere den von Robert Musil im "Mann ohne Eigenschaften" beschriebenen Großschriftsteller, der politisch Stellung bezieht und in der Öffentlichkeit als "Gewissensmacht" (Musil) wahrgenommen wird; im Ausland beweist dieser Großschriftsteller Humanität und begreift sich als "Weltgewissen"; Grass sei von mangelndem Weltwissen bislang noch nie davon abgehalten worden, diese Gewissensrolle einzunehmen; der Großschriftsteller nach Musil visiert dabei "Großkampftage" an; Tage dieser Art durchlebe Grass zur Zeit; nach seinem vermeindlich letzten Gedichtband "Letzte Tänze" schreibt er nun mit "letzter Tinte"; Grass steht wieder einmal im Zentrum einer Debatte; durch sein Sekretariat in Lübeck habe er verlauten lassen, er habe zwei Fernsehteams zu Interviews bei ihm "empfangen"; Grass habe offenbar den Eindruck, dass sein Gedicht, das den Iranischen Staatsführer Mahmud Ahmadinedschad als "Maulhelden" verharmlose, von großem Gewicht sei; dies sei aber nicht der Fall, allein die Reaktionen würden dies suggerieren; Hendryk M. Broder und Ralf Giordano seien sofort zur Stelle gewesen, um Grass scharf zu kritisieren, Broder nenne ihn einen lupenreinen Antisemit, Klaus Staeck verteidige Grass; Grass dagegen wittere eine Kampagne und stelle sich als Opfer von Medienmachenschaften dar; die Debatte sei typisch deutsch und ermüdend; Grass liebe derartige "Feuilleton-Scheingefechte"; seinerzeit habe Grass behauptet, dass Auschwitz eine Wiedervereinigung Deutschlands für immer unmöglich gemacht habe; daran sei zu erkennen, dass es Grass nicht mehr um Realität, sondern nur um Rechthaberei gehe; sein "Moralaposteltum" habe er jüngeren Generationen in seiner Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" vorgeworfen.


Urtitel:
Der Ego-Kult des greisen Grass. Knut Cordsen resümiert die "Feuilleton-Scheingefechte" der Grass-Debatte Der Ego-Kult des greisen Grass. Knut Cordsen resümiert die "Feuilleton-Scheingefechte" der Grass-Debatte
Anfang/Ende:
Man möchte angesichts…vorgeworfen hat. Ego-Kult.
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Historischer Kontext:

Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" und anschließende Debatte um die Israel-Kritik von Günter Grass.

Schlagworte:

Person:
Broder, Hendryk M.GND; Giordano, RalphGND; Staeck, KlausGND; Musil, RobertGND
Werke:
Beim Häuten der Zwiebel; Letzte Tänze; Was gesagt werden muss; Der Mann ohne Eigenschaften
Sach:
Moral; Medien; Antisemitismus; Gedicht; Gewissen; Debatte
Geo:
Israel; Iran
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
05.04.2012
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
mp3
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Südwestrundfunk (SWR)
Sendereihe:
SWR2 Journal am Abend
Teilnehmende:

Person:
Cordsen, Knut (Autor(in))
Person:
Cordsen, Knut (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Cordsen, Knut: Der Ego-Kult des greisen Grass. Knut Cordsen resümiert die "Feuilleton-Scheingefechte" der Grass-Debatte Der Ego-Kult des greisen Grass. Knut Cordsen resümiert die "Feuilleton-Scheingefechte" der Grass-Debatte. unbekannt .

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