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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1854

Morgenshow-Kommentar zum israelkritischen Gedicht (tel.)

Günter Grass kritisiert in seinem am Vortag veröffentlichten Gedicht, dass Israel als Atommacht den Weltfrieden gefährde und dass der Atomwaffenbesitz Israels nicht kontrolliert werde; diese Äußerungen haben in Öffentlichkeit und Medien Empörung ausgelöst; Johano Strasser (Generalsekretär des PEN) verteidigt Grass hingegen: mit Antisemitismus hätten die Äußerungen von Grass nichts zu tun. Interview mit dem israelischen Professor für Deutsche Geschichte an der Universität Jerusalem Mosh Zimmermann Frage: Zimmermann ist eher Historiker als Germanist; wie findet er das Grass-Gedicht "Was gesagt werden muss"? Zimmermann: Man müsse auf den Text reagieren unabhängig vom poetischen Status; das Gedicht sei ein Statement und werde auch so behandelt. Frage: Ist das Gedicht antisemitisch? Zimmermann: Es gebe antisemitische Elemente im Gedicht durch bestimmte Worte und Stereotypen; viele wären sich nicht bewusst, dass sie antisemitisch seien; der Versuch, das Dritte Reich durch den Vergleich mit Israel zu relativieren, sei in der Antisemitismus-Forschung immer wieder vorzufinden. Frage: Wenn das Gedicht antisemitische Passagen enthält, ist dann auch Grass ein Antisemit? Zimmermann: Die Generation Grass könne nicht frei von Antisemitismus sein; Grass versuche zwar durch seine Aussagen, den Antisemitismus zu überwinden und bekunde seine Verbundenheit mit Israel; der Duktus des Gedichts sei trotzdem von Antisemitismus beeinflusst. Frage: Geht Grass nicht angemessen mit seiner Position als Deutscher und seiner eigenen Person um? Zimmermann: Als Deutscher dürfe man zwar israelische Politik kritisieren; wenn allerdings der Eindruck entstehe, Israel sei eine Wiederholung des Dritten Reiches, sei dies gefährlich; Begriffe wie "Auslöschung" würden nicht zum Thema Israel gehören; Israel sei keine größere atomare Gefahr als Iran oder Weißrussland oder Pakistan. Frage: Wie hat die israelische Öffentlichkeit auf das Grass-Gedicht reagiert? Zimmermann: Das Gedicht sei am Rande wahrgenommen worden; Grass habe einen falschen Zeitpunkt gewählt; hätte Grass das Gedicht am Holocaus-Gedenktag veröffentlicht, wäre die Entrüstung größer gewesen; die israelische Botschaft in Berlin habe scharf reagiert, in einer israelischen Zeitung habe es einen breiten Kommentar gegeben.


Urtitel:
Der schöne Morgen: Eins ist klar - Donnerstagskommentar vom 05.04.2012
Anfang/Ende:
(Setzt abrupt ein) ...und übrigens hat…Überlebende. Das sind (bricht ab)
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Historischer Kontext:

Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" und anschließende Debatte um die Israel-Kritik von Günter Grass.

Schlagworte:

Werke:
Was gesagt werden muss
Sach:
Antisemitismus; Gedicht; Atomwaffen; Atommacht
Geo:
Israel; Weißrussland; Iran; Pakistan
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
05.04.2012
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
mp3
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB)
Sendereihe:
Radio Eins. Der schöne Morgen: Eins ist klar - Donnerstagskommentar
Teilnehmende:

Person:
Jörges, Hans UlrichGND (Sprecher(in))
Person:
Rupp, StefanGND (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Der schöne Morgen: Eins ist klar - Donnerstagskommentar vom 05.04.2012. unbekannt .

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