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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1863

Avi Primor über das Einreiseverbot für Günter Grass

Interview mit dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland Avi Primor: Buhrow: Wie beurteilt Primor das Einreiseverbot für Günter Grass? Primor: hält es für "übertrieben, hysterisch oder populistisch"; gerechtfertigt sei das Einreiseverbot in jedem Fall nicht. Buhrow: Der israelische Innenminister hat das Einreiseverbot damit begründet, dass Grass Hass schüren wolle und die Linie seit seiner Waffen-SS-Mitgliedschaft fortführen würde; warum hat Eli Jischai solch deutliche Worte verwendet? Primor: dies sei populistisch; der Innenminister verstehe offenbar nicht viel von Deutschland und betreibe lediglich Innenpolitik; Günter Grass sei keineswegs ein Antisemit und auch kein Feind Israels; Grass sei kritisch und habe auch persönliche Probleme mit Israel gehabt. Buhrow: Werden in Israel nur die Thesen von Grass wahrgenommen oder auch die öffentlichen Reaktionen in Deutschland, die mehrheitlich negativ sind? Primor: Über die Berichterstattung in Deutschland werde detailliert berichtet; man wisse um die Kritik an Grass. Buhrow: Grass behauptet, er spreche ein Tabu an; sind die Deutschen tatsächlich befangen, wenn sie über Israel reden? Primor: dies sei zutreffend; Primor hält dies für falsch, hat diese Befangenheit auch in einem Buch ("An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld: Deutsch-jüdische Missverständnisse") kritisiert; diese Befangenheit sei längst überholt; als gute Freunde müsse man offen und ehrlich miteinander sprechen; Grass habe in der Hinsicht also übertrieben. Buhrow: Hat Grass damit Recht, dass die israelische Regierung erwägt, die Atomanlagen des Iran anzugreifen? Primor: Genau wisse das niemand; die Regierung behaupte aber, dass sie es sich nicht leisten könne, dass der Iran Atomwaffen herstelle, da der Iran offen zugebe, Israel vernichten zu wollen; nicht nur Mahmud Ahmadinedschad drohe damit, sondern auch der geistliche Führer Ajatollah Seyyed Alī Chāmene'ī; dieser gebe auch zu, dass der Iran den terroristischen Organisationen, die er selbst fundamentalistisch nenne, Waffen und Geld liefern werde, um Israel zu bekämpfen; dies sei eine reale Gefahr für Israel und zwinge Israel zur Verteidigung; es sei aber lächerlich, dass Günter Grass behaupte, Israel wolle den Iran vernichten; außer Israel gebe es keinen Staat auf der Erde, dem mit Vernichtung gedroht würde; Israel sei außerdem klein, der Iran fast 100 mal größer.


Urtitel:
Tagesthemen F:10477 vom 08.04.2012
Anfang/Ende:
Dazu begrüße ich…all den Jahren.
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" und anschließende Debatte um die Israel-Kritik von Günter Grass. Einreiseverbot für Günter Grass nach Israel.

Schlagworte:

Person:
Ahmadinedschad, MahmoudGND; Chamene'i, Ali
Werke:
Was gesagt werden muss
Sach:
Antisemitismus; Gedicht; Öffentlichkeit; Waffen-SS; Atomwaffen; Berichterstattung; Einreiseverbot
Geo:
Israel; Iran
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
08.04.2012
Datum Erstsendung:
08.04.2012
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
MPEG 4
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Sender / Institution:
ARD
Sendereihe:
Tagesthemen
Teilnehmende:

Person:
Buhrow, TomGND (Sprecher(in))
Person:
Primor, AviGND (Sprecher(in))
Person:
Gniffke, KaiGND (Redaktion)
Person:
Hofer, JanGND (Sprecher(in))
Person:
Münder, RegineGND (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Tagesthemen F:10477 vom 08.04.2012. unbekannt .

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