Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1981

Spätherbstlicher Sonettreigen über die Einheit Deutschlands

Zimmermann, Harro GND; Grass, Günter GND

In seiner "Rede vom Verlust" hat Grass im November 1992 den Niedergang der politischen Kultur im geeinten Deutschland thematisiert; zeitgleich schrieb er den Sonettenzyklus "Novemberland". Ausschnitt aus "Novemberland", gelesen von Günter Grass (Gedicht "Das Unsre") Seinen neuen Gedichtband "Novemberland" hat Grass Peter Rühmkorf gewidmet; während Rümkorf eher Walther von der Vogelweide oder Kopstock nacheifert, orientiert Grass sich am Barockdichter Gryphius; er stellt sich damit in die Tradition des Poeten als Anwalt öffentlicher Moral; die Lyrik ist für Grass immer schon werkentscheidend gewesen, was in den lezten Jahren offenbar übersehen wurde; die Bedeutung der Lyrik beschreibt Grass auch in Selbstaussagen. Grass: Im November des vergangenen Jahres sei er halb beschäftigt mit unfertigen Projekten gewesen und mit der deutschen Wirklichkeit konfrontiert worden; diese habe ihn sprachlos gemacht und habe Protest gefodert; dafür sei eine strenge Form nötig gewesen; die deutsche Kultur sei in ihren besten Zeiten immer von Außen beeinflusst worden; es sei Andreas Gryphius zu verdanken, der im Frühbarock Sonette geschrieben habe, die bis heute ihre Aktualität bewahrt hätten; im 20. Jahrhundert sei es Rilke mit seinem späten Sonetten gewesen, der diese Gedichtform der Moderne geöffnet hätte; bis dahin habe er [Grass] nie Sonette geschrieben. Die Sonette könnten ein Vorspiel zu einem größeren Werk sein, präsentiere aber vertraute Momente der Kritik; beklagt wird das vereinigte Deutschland, das von Rassismus, Gewalt und Ignoranz geprägt ist; Grass zeichnet eine "Allegorie des Verfalls". Grass liest "Bei klarer Sicht" aus "Novemberland" Grass geht in den Gedichten von Naturbildern aus, die aber in Gegensatz zur Realität treten; die Verssprache unterstützt die Rhetorik und die zum Teil polemischen Untertöne; dadurch entstehen "scharfe poetische Pointen"; es handelt sich um Meinungslyrik, die den "Raum des politischen Skandalon" sucht; Grass tritt bewusst in die Tradition der barocken Moralschelte. Grass liest "Wer kommt?" aus "Novemberland


Urtitel:
Rezension: "Novemberland -13 Sonette" von Günter Grass
Anfang/Ende:
(Anmoderation) In seiner im…Weihnacht dem Novemberland.
Genre/Inhalt:
Lyrik
Historischer Kontext:

Veröffentlichung von "Novemberland - 13 Sonette"

Schlagworte:

Person:
Rühmkorf, PeterGND; von der Vogelweide, WalterGND; Klopstock, Friedrich GottliebGND; Gryphius, AndreasGND; Rilke, Rainer MariaGND
Werke:
Novemberland
Sach:
Gedicht; Lyrik; Sonett
Zeit:
Barockzeit
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
31.05.1993
Aufnahmeort:
Hannover
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
NDR: Hannover
Sendereihe:
Texte und Zeichen
Archivnummer:
6913757000
Produktionsnummer:
H6913757
Teilnehmende:

Person:
Zimmermann, HarroGND (Autor(in))
Person:
Grass, GünterGND (Autor(in))
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Wang, AndreasGND (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Zimmermann, Harro / Grass, Günter: Rezension: "Novemberland -13 Sonette" von Günter Grass. Hannover .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export