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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 2122

Der künstlerische Aspekt im Werk von Günter Grass : Vortrag auf der Tagung "Religiöse Motive im Werk von Günter Grass"

Honsza, Norbert GND

Grass und sein Werk haben eine „magnetische Wirkung“: seit einem halben Jahrhundert bereichern Grass’ Werke die Weltliteratur, Grass ist „der einzige lebende deutsche Großautor und bedeutendster Repräsentant der Moderne“; Grass habe sämtliche Anfeindungen und Angriffe „mit intellektueller Größe überstanden“; die Diskussion um das Israel-Gedicht „Was gesagt werden muss“ zeigten „welchen Unsinn man über ihn schreiben kann“; die Reaktionen seien „an der Grenze eines Rufmordes“ gewesen; Vergleich zum Angriff auf das Werk Christa Wolfs durch „Neues Deutschland“; Grass habe immer mit der Öffentlichkeit in Auseinandersetzung gestanden; trotzdem sei er „eine Instution in Deutschland“; Grass verteidige „mit Beharrlichkeit seinen Künstler-Egoismus“; Grass verstehe es, den literarischen Diskurs mit dem politischen zu verbinden; seine Moral verteidige die Menschenwürde; Grass schreibe für und über die „Verstummten, Vergessenen und Verdrängten“; Grass sei zudem ein Pragmatiker, der „mit fortschreitendem Alter immer unduldsamer wird“; mit der „Blechtrommel“ und anderen Werken habe Grass Akzente in der Mentalitätsgeschichte der Nachkriegsjahre gesetzt; er sei „ein Markenzeichen unter dem Titel ‚Günter Grass‘“ Anmerkungen zur „Blechtrommel“, zu deren Stellung in der Weltliteratur und zu verschiedenen Interpretationen, u.a. zu „Lügengeschichten“ als „poetischem Verfahren“ (Dieter Stolz); Zitat aus Grass’ Essay „Rückblick auf die Blechtrommel oder Der Autor als fragwürdiger Zeuge“ (1973) zur Entstehungsgeschichte; durch die Verfilmung der „Blechtrommel“ habe das Werk eine „Revitalisierung“ erlebt; der Roman biete nach wie vor neue Interpretationsmöglichkeiten; das Buch sei „klischeezerstörend“; Zitat aus eine Gespräch von Grass mit Heinz Ludwig Arnold 1978; Zitat von Hans Magnus Enzensberger: „eine Phantasie, die vor nichts halt macht“; Oskar Matzerath als „Symbolfigur“ für Nonkonformismus und habe „Oppositionsfunktion“, wie aus dem Dritten Buch der „Blechtrommel“ deutlich hervorgehe; Grass habe die Tradition des europäischen Romans bewusst unterwandert und dadurch „das ehrlichste Buch des 20. Jahrhunderts geschrieben“; ein ähnliches „Sensationspotenzial“ habe „Beim Häuten der Zwiebel“; das „Medienspektakel“ habe zunächst die sachliche Auseinandersetzung überlagert; die Autobiographie widerlege „böse Gerüchte“ von Grass’ vermeintlich nachlassender Schaffenskraft; Grass kehre sprachlich und erzählerisch zu seinen Ursprüngen zurück; Grass spreche darin „Fehler und Peinlichkeiten“ seines Lebens offen an; dies gehöre zu Grass’ „Selbstfindungsprozess“ (Zitat Christa Wolf) Zur Rezeption in Polen: Grass besitze hier eine Sonderstellung, er eröffne hier einen besonderen Diskurs über Deutschland; Grass’ zahlreiche Besuche in Polen hätten dazu beigetragen, dass die Rezeption stark autorbezogen sei; seine Besuche in Danzig seinen nicht allein Recherche-Besuche gewesen; in den 80er Jahren habe er sich mit jüngeren Generationen getroffen; Danzig habe diese Besuche entsprechend gewürdigt (Ehrendoktortitel der Universität, Ehrenbürger der Stadt u.a.); Veränderungen in der Rezeption der „Blechtrommel“ in Polen; die Beteiligung am öffentlichen Leben werde Grass von Kritikern oft vorgeworfen; die Verleihung der Eherendoktorwürde der Universität Posen habe Anlass zu einer weiteren „weltanschaulich-politischen“ Grass-Affäre gegeben, die in der polnischen Grass-Forschung hinreichend beschrieben sei; sie zeuge von der polarisierenden und politisierenden Rezeption von Günter Grass in Polen; Zitat von Dieter Stolz (Internationale Grass-Konferenz 2007 in Danzig)


Urtitel:
Günter Grass - ein Künstler von Weltrang
Anfang/Ende:
Meine sehr verehrten…ihre Aufmerksamkeit. Danke.(BEIFALL)
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass - Tagung und Ausstellung. in Köln, Trinitatiskriche.Vom 21.09.-23.09.2012. Programm: Religiöse Motive im Werk von Günter Grass - Tagung und Ausstellung Köln, 21.09.-23.09.2012 Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noah-Bund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Grass in seinem Gesamtwerk das Bild vom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt. Trinitatiskirche Köln, Filzengraben 4, 50676 Köln Programm: Freitag, 21. September Vernissage und Tagungseröffnung – 19 Uhr »Eule, Ratte, Golgatha« Apokalyptische Bilder von Günter Grass Begrüßung durch Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region Prof. Dr. Norbert Honsza (Lodz): Günter Grass - Ein Künstler von Weltrang Prof. Dr. Volker Neuhaus (Osnabrück): »wie angeblich alles mit der Geschichte vom Apfel und der Schlange begonnen hat« und »was davon, rein erbsündemäßig, die Folge ist«. Das christliche Erbe bei Günter Grass. Samstag, 22. September Tagung – 9:30 Uhr bis 18 Uhr »Von Katz und Maus und mea culpa« Religiöse Motive bei Günter Grass 9:30 Uhr - Begrüßung durch Prof. Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer SK Stiftung Kultur Köln 9:45 Uhr - Dr. Dieter Stolz (Berlin): Günter Grass: Ein Blick in die Werkstatt 10:30 Uhr - Prof. Dr. Julian Preece (Swansea): Günter Grass und die Heilsgeschichte 11:15 Uhr - Kaffeepause 11:30 Uhr - Prof. Dr. Dorothee Römhild (Osnabrück): »Der Hund ist scharf und hält sicher nicht viel von Künstlern«. Zur kynozentrischen Poetologie der »Hundejahre« im Spannungsfeld von Ontologie und Ästhetik. 12:15 Uhr - Viktoria Krason (Lübeck): »Zauberei mit den Bräuten Christi« Nonnen in Wort und Bild im Werk von Günter Grass 13 Uhr - Mittagspause 15 Uhr - Dr. Bettina Beltz (Köln): Religiöse Motive bei Günter Grass, Salman Rushdie und John Irving 15:45 Uhr - Prof. Dr. Rudolf Drux (Köln): Günter Grass und die religiösen Debatten im Barock 16:30 Uhr - Dr. Timm Pietsch (Düsseldorf): Lyrische Positionen zur Weltlage.(verhindert, dadurch vertreten von Frau Cepl-Kaufmann) Politik und Religion bei Günter Grass 17:15 Uhr - Dr. Anselm Weyer (Köln): Beerdigung und Tod bei Günter Grass Sonntag, 23. September Kulturgottesdienst – 10 Uhr »Gewalt, wer verbog die Sicherheitsnadel, Komm, wir spielen Kain und Abel, Vater unser, der du bist im Himmel« Prädikant Dr. Volker Neuhaus, Germanistik-Professor und Grass-Experte, gestaltet einen Gottesdienst mit Texten von Günter Grass.

Schlagworte:

Person:
Hein, ChristophGND; Wolf, ChristaGND; Kafka, FranzGND; Mann, ThomasGND; Brecht, BertoltGND; Stolz, DieterGND; Schlöndorff, VolkerGND; Schneider, Irmela; Jürgs, MichaelGND; Arnold, Heinz LudwigGND; Enzensberger, Hans MagnusGND; Matzerath, Oskar; Adorno, Theodor W.GND; Neumann, BerndGND; Zimmermann, HarroGND; Canetti, EliasGND; Cervantes, Miguel deGND; Rabelais, François; Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel vonGND
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
21.09.2012
Aufnahmeort:
Köln, Trinitatiskriche, Filzengraben 4
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
WAV
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
unbekannt
Sendereihe:
Religiöse Motive im Werk von Günter Grass
Teilnehmende:

Person:
Honsza, NorbertGND (Autor(in))
Person:
Honsza, NorbertGND (Sprecher(in))
Anmerkung:
Die Vorträge von V.Neuhaus, D. Römhild, R. Drux und A. Weyer liegen nicht vor. Der Redebeitrag von Timm Pietsch fiel aus, Frau Cepl-Kaufmann sprach stattdessen.

Zitieren

Zitierform:

Honsza, Norbert: Günter Grass - ein Künstler von Weltrang. Köln, Trinitatiskriche, Filzengraben 4 .

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