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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 2124

Heilsgeschichte als Metaphorik : Vortrag auf der Tagung "Religiöse Motive im Werk von Günter Grass"

Preece, Julian GND

Heilsgeschichte wird metaphorisch, nicht theologisch verstanden; demgemäß suchen Grass’ Figuren einen Ausweg aus ihrer historisch bedingten Leidensgeschichte; dieser Ausweg wäre im politischen Sinne mit „Befreiung“/„Revolution“, im religiösen Sinn mit „Erlösung“ gleichzusetzen; die jüdisch-christliche Erzähltradition liefert Muster, die mit anderen Inhalten gefüllt werden können; „redemption“ im Sinne Hollywoods bedeutet eher „moralische Läuterung“ (Beispiel: „Cosmopolis“ von David Cronenberg); Erlösung ist auch Thema in Grass’ frühen Werken: in der „Blechtrommel“ bekennt Oskar Matzerath seine Vergehen und will Vergebung erfahren; Oskar ahmt dabei Jesus Christus nach, mal im Ernst, mal im Spaß; in „Katz und Maus“ tritt Mahlke als Erlöser auf, verschwindet aber am Ende der Novelle; auch in „Hundejahre“ findet sich eine ähnliche Thematik; im „Butt“ erscheint die Vergewaltigung Billys im „Vatertag“-Kapitel als eine Art Kreuzigung; in „Ein weites Feld“ hat sich in Grass’ Denken und Erzählpraxis etwas verändert: Fonty entkommt seinem Tag- und Nachtschatten und entkommt nach Frankreich; in Grass’ Gesamtwerk gibt es viele Figuren mit Geheimnissen; Grass geht es um die Vergebung zwischen zeitlichen Schichten und Querverweisen zwischen Epochen (vgl. „Mein Jahrhundert“) und um Verheißungen und Erfüllungen; für Grass ist die Vergangenheit nie absolut vergangen; es folgen detaillierte Untersuchungen der Verbindungen zwischen Zeitschichten in „Ein weites Feld“; Grass ist nicht an Heilsgeschichte per se interessiert, sondern an dem Wechsel der Zeitschichten; im Folgenden geht es vor allem um die Erzählung „Unkenrufe“, die in Grass’ Gesamtwerk eine Schlüsselstellung einnimmt; dies wird nachgewiesen anhand der Verwendung religiöser Motive; Grass geht es dabei vor allem um Zeitläufe und Zeiterfahrungen; es geht aber auch um Endzeit und das Jüngste Gericht.


Urtitel:
Günter Grass und die Heilsgeschichte
Anfang/Ende:
Also ich freue…kriegen Sie nicht. (ATMO)
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Religiöse Motive im Werk von Günter Grass - Tagung und Ausstellung Köln, 21.09.-23.09.2012 Im direkten kenntnisreichen Rückgriff auf biblische Kernaussagen vom Paradies und vom Sündenfall über den Noah-Bund bis zur Kreuzigung Jesu gestaltet Grass in seinem Gesamtwerk das Bildvom gefallenen und dennoch für sein Tun verantwortlichen Menschen. So wird Grass zum wichtigen Bußprediger, der einer säkularen Welt eine jüdisch-christliche Kernbotschaft verkündet, die die zeitgenössische christliche Predigt oft beim Anbiedern an scheinbar aktuellere und gefälligere Menschenbilder unterschlägt. Trinitatiskirche Köln, Filzengraben 4, 50676 Köln Programm: Freitag, 21. September Vernissage und Tagungseröffnung – 19 Uhr »Eule, Ratte, Golgatha« Apokalyptische Bilder von Günter Grass Begrüßung durch Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region Prof. Dr. Norbert Honsza (Lodz): Günter Grass - Ein Künstler von Weltrang Prof. Dr. Volker Neuhaus (Osnabrück): »wie angeblich alles mit der Geschichte vom Apfel und der Schlange begonnen hat« und »was davon, rein erbsündemäßig, die Folge ist«. Das christliche Erbe bei Günter Grass. Samstag, 22. September Tagung – 9:30 Uhr bis 18 Uhr »Von Katz und Maus und mea culpa« Religiöse Motive bei Günter Grass 9:30 Uhr - Begrüßung durch Prof. Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer SK Stiftung Kultur Köln 9:45 Uhr - Dr. Dieter Stolz (Berlin): Günter Grass: Ein Blick in die Werkstatt 10:30 Uhr - Prof. Dr. Julian Preece (Swansea): Günter Grass und die Heilsgeschichte 11:15 Uhr - Kaffeepause 11:30 Uhr - Prof. Dr. Dorothee Römhild (Osnabrück): »Der Hund ist scharf und hält sicher nicht viel von Künstlern«. Zur kynozentrischen Poetologie der »Hundejahre« im Spannungsfeld von Ontologie und Ästhetik. 12:15 Uhr - Viktoria Krason (Lübeck): »Zauberei mit den Bräuten Christi« Nonnen in Wort und Bild im Werk von Günter Grass 13 Uhr - Mittagspause 15 Uhr - Dr. Bettina Beltz (Köln): Religiöse Motive bei Günter Grass, Salman Rushdie und John Irving 15:45 Uhr - Prof. Dr. Rudolf Drux (Köln): Günter Grass und die religiösen Debatten im Barock 16:30 Uhr - Dr. Timm Pietsch (Düsseldorf): Lyrische Positionen zur Weltlage.(verhindert, dadurch vertreten von Frau Cepl-Kaufmann) Politik und Religion bei Günter Grass 17:15 Uhr - Dr. Anselm Weyer (Köln): Beerdigung und Tod bei Günter Grass Sonntag, 23. September Kulturgottesdienst – 10 Uhr »Gewalt, wer verbog die Sicherheitsnadel, Komm, wir spielen Kain und Abel, Vater unser, der du bist im Himmel« Prädikant Dr. Volker Neuhaus, Germanistik-Professor und Grass-Experte, gestaltet einen Gottesdienst mit Texten von Günter Grass. Quelle: http://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/28467

Schlagworte:

Person:
Heine, HeinrichGND; Stolz, DieterGND; Rushdie, SalmanGND; Croneneberg, David; Brecht, BertoltGND
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
22.09.2012
Aufnahmeort:
Köln, Trinitatiskriche, Filzengraben 4
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
WAV
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
unbekannt
Sendereihe:
Religiöse Motive im Werk von Günter Grass
Teilnehmende:

Person:
Preece, JulianGND (Autor(in))
Person:
Preece, JulianGND (Sprecher(in))
Anmerkung:
Die Vorträge von V. Neuhaus, D. Römhild, R. Drux und A. Weyer liegen nicht vor. Der Redebeitrag von Timm Pietsch fiel aus, Frau Cepl-Kaufmann sprach stattdessen.

Zitieren

Zitierform:

Preece, Julian: Günter Grass und die Heilsgeschichte. Köln, Trinitatiskriche, Filzengraben 4 .

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