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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 2386

Salman Rushdie über die Begegnungen mit Grass : Zu Gast in Lübeck

Bohlmannn, Kathrin

Salman Rushdie ist zu Besuch in Lübeck, besichtigt das Günter Grass-Haus und ist im Lübecker Messe- und Kongresszentrum zu Lesung und Interview auf der Bühne. Er erzählt vom Kennenlernen, wie Schnaps zusammen getrunken wird und über die Gemeinsamkeiten wie die Rolle als Provokateur und Querdenkende, Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte. Grass ist für Rushdie eine Inspirationsquelle, so taucht auch Oskar Matzerath im Werk von Rushdie auf. Abstract O-Ton Rushdie (englisch mit deutscher Übersetzung): es sei traurig, in Lübeck zu sein, ohne Günter Grass treffen zu können; die Ausstellung (der Günter Grass Hauses) sei beeindruckend, ebenso wie Grass’ Mehrfachbegabung Rushdie und Grass hätten anfangs ein Schüler-Lehrer-Verhältnis gehabt, so Rushdie; der zwanzig Jahre jüngere Rushdie ist voller Bewunderung für Grass gewesen; später sei daraus eine innige Freundschaft entstanden, wofür unter anderem der Alkohol verantwortlich gewesen sei. Rushdie: erinnert sich an seinen Besuch in Wewelsfleth, bei dem Rushdie sich ein Schnapsglas aussuchen sollte; dann hätten sie Schnaps zusammen getrunken und seien so Freunde geworden. Gemeinsamkeiten von Rushdie und Grass: querdenkend, provozierend, kämpfend für Freiheit und Menschenrechte; Grass habe Rushdie zum Schreiben angespornt. Jörg-Philipp Thomsa: im Werk von Rushdie findet sich Oskar Matzerath aus der „Blechtrommel“ wieder; es gebe zahlreiche weitere Verbindungen; ohne Grass hätte Rushdie wohl nicht zum „magischen Realismus“ gefunden. 1989: für „Die satanischen Verse“ wird Rushdie vom iranischen Staatschef Khomeini mittels einer Fatwa zum Tode verurteilt; Grass unterstützt ihn in dieser Zeit. Rushdie: erinnert sich an die Feier des 70. Geburtstages von Günter Grass im Hamburger Thalia-Theater; Grass sei hier als „wunderbarer Tänzer“ in Erscheinung getreten; an dem Punkt habe Rushdie angefangen, „ihn zu hassen“ (ironisch) (Stimmen zur Veranstaltung mit Rushdie von Besuchern)


Urtitel:
Salman Rushdie erinnert an Grass in Lübeck
Anfang/Ende:
Es war ein…sicherlich auch gefallen.
Genre/Inhalt:
Biographie
Historischer Kontext:

Anlaß: Veranstaltung zum 90. Geburtstag von Günter Grass. Salman Rushdie ist auf Lesereise und besucht Lübeck . Rushdie erinnert an den Querdenker Grass von Katrin Bohlmann vom 29.11.2017 Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass wäre im Oktober 90 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren ist der 70-jährige indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie am Dienstag in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) gewesen. Neben einem Besuch im Günter-Grass-Haus und der Vorstellung seines neues Buches "Golden House" erinnerte sich Rushdie vor allem in einem Gespräch an seinen Freund und Mentor Grass. Es war ein privater Abstecher nach Lübeck. Denn eigentlich ist Salman Rushdie gerade auf Lesetour und war in Polen unterwegs. Aber es war ihm eine Herzensangelegenheit, endlich Grass' Stadt Lübeck zu besuchen. Die Stadt, die seinem Freund mit dem Günter-Grass-Haus ein Denkmal gesetzt hat. Rushdie erinnert an ihn: "Natürlich ist es traurig, hier zu sein. Jetzt, wo er von uns gegangen ist. Aber ich bin wirklich glücklich, diese wunderbare Ausstellung seiner Kunst zu sehen. Ich war immer sehr beeindruckt, wie talentiert Grass war. Nicht viele von uns haben diese Mehrfachbegabung. Ich jedenfalls nicht." Grass - vom Mentor zum Freund Anfangs hatten sie ein Lehrer-Schüler-Verhältnis, erzählt der 70-Jährige. Rushdie, rund 20 Jahre jünger als Grass, bewunderte den deutschen Schriftsteller. Erst später entstand daraus eine innige Freundschaft. Der Schnaps habe sie einander nähergebracht, sagt Rushdie. Und zwar im schleswig-holsteinischen Wewelsfleth, wo Grass wohnte: "Ja, das war so. Grass war zuerst schon ein wenig reserviert. Nach dem Motto: Er war der berühmte große Mann - ich der kleine Neue. Er hatte einen Schrank mit vielen verschiedenen alten Schnapsgläsern. Ich sollte mir eines aussuchen. Also nahm ich eines - er nahm eines ... Dann holte er eine Flasche Schnaps raus und so wurden wir Freunde", sagt Rushdie. Die beiden haben viele Gemeinsamkeiten: Beide sind Querdenker, Provokateure, kämpfen für die Freiheit und Menschenrechte. Erst durch Grass sei Rushdie zum Schreiben angespornt worden, sagt Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter-Grass-Hauses. Erinnerungen an den 70. Geburtstag in Hamburg Als Rushdie 1989 wegen seines Buches "Die satanischen Verse" vom iranischen Staatschef Khomeini mittels einer Fatwa zum Tode verurteilt wurde, half ihm Grass. Rushdie ist dem Menschen Grass nahegekommen. So erzählt er launig vom leidenschaftlichen Tänzer Grass zu seinem 70. Geburtstag im Thalia Theater in Hamburg: "Als der offizielle Teil zu Ende war, wurde aus der Bühne eine Tanzfläche. Es lief Musik und ich entdeckte, dass Grass nicht nur ein großartiger Schriftsteller und Künstler war, sondern auch ein wunderbarer Tänzer! Das war der Zeitpunkt, wo ich anfing ihn zu hassen." Günter Grass. Der lebenslustige Pessimist. Rushdie erinnerte liebevoll an ihn. Die meisten der rund 600 Zuschauer in der Lübecker MuK waren begeistert. Am Mittwoch ist Salman Rushdie beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eingeladen - zu einer Gesprächsrunde zum Thema "Die Freiheit des Denkens in unruhigen Zeiten". Mit dabei sind auch die Schriftsteller Eva Menasse und Daniel Kehlmann. Das hätte seinem Freund Günter Grass sicherlich auch gefallen. Quelle: https://www.ndr.de/kultur/buch/Salman-Rushdie-erinnert-an-Grass-in-Luebeck,rushdie122.html vom 29.11.2017 Aus der Pressemitteilung über die Veranstaltung mit Salman Rushdie: Pressemitteilung vom 17.11.2017 Günter Grass wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund erinnert der weltweit bekannte Schriftsteller Salman Rushdie am Dienstag, 28. November, in der Musik- und Kongresshalle Lübeck an seinen Freund und Mentor. Rushdie und Grass waren nicht nur miteinander befreundet, sie beeinflussten sich auch literarisch. 1999 äußerte Rushdie über Grass: „Ich halte ihn für den größten europäischen Romancier in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Trommelschläge von Grass’ großem Roman haben mich stets dazu angetrieben, immer aufs Ganze zu gehen; immer zu versuchen, mehr als alles zu geben; auf ein Sicherheitsnetz zu verzichten und nach den Sternen zu greifen.“ Zugleich stellt Salman Rushdie seinen neuen Roman „Golden House” vor. Angefangen mit der Amtseinführung von Barack Obama bis hin zur Wahl Trumps nimmt er darin Bezug auf die politischen Ereignisse der unmittelbaren Gegenwart und schreibt über die amerikanische Gesellschaft, den irritierenden Zeitgeist und das neue Gefüge der Macht. Erneut erweist sich Rushdie in diesem Roman als einer der besten Geschichtenerzähler unserer Tage. Quelle: https://die-luebecker-museen.de/salman-rushdie-in-luebeck-zu-ehren-von-grass

Schlagworte:

Person:
Rushdie, SalmanGND; Kehlmann, DanielGND; Menasse, EvaGND
Aufnahme:

Aufnahmeort:
Lübeck
Sprachen:
deutsch / englisch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
mp3
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Rushdie, SalmanGND (Sprecher(in))
Person:
Bohlmannn, Kathrin (Sprecher(in))
Person:
Thomsa, Jörg-PhilippGND (Mitwirkende(r))
Person:
Lebert, BenjaminGND (Mitwirkende(r))
Person:
Bohlmannn, Kathrin (Autor(in))
Anmerkung:
Das Günter Grass-Haus hat Fotos zur Veranstaltung veröffentlicht. Quelle des Audio flies NDR: https://www.ndr.de/kultur/buch/Salman-Rushdie-erinnert-an-Grass-in-Luebeck,rushdie122.html vom 29.11.2017

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Zitierform:

Bohlmannn, Kathrin: Salman Rushdie erinnert an Grass in Lübeck. Lübeck .

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