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Portrait eines Prominenten
Kontext:In der Einführung wird darauf verweisen, dass viele Menschen Günter Grass nicht durch sein künstlerisches Werk kennen, sondern durch sein politisches Engagement. Dann folgt von 0:42 bis 1:57 ein ausführliches Gutachten eines Graphologen, der nicht wusste, wessen Handschrift er begutachtete. Dann folgen Straßenbefragungen vor der Freien Universität Berlin und der Universität Wien, bei denen Passanten ein Foto von Grass vorgelegt wird mit der Frage, ob sie den abgebildeten kennen. Viele kennen ihn, manche liegen aber auch daneben, u.a. wird er als Wolf Biermann erkannt. Danach folgt das Studio-Gespräch mit Günter Grass. Zunächst wird er über seine Kindheit und Jugend in Danzig befragt.Grass spricht über seine Biografie, seinen Arbeitsprozess und seine politischen Positionen. Er kommentiert seine SPD-Mitgliedschaft und ordnet sein eigenes Schreiben zwischen Kunst und politischem Engagement ein. Ergänzt wird das Gespräch durch Stimmen anderer Zeitgenossen.
Abstract:Günter Grass wird als Literat und Intellektueller diskutiert und porträtiert.
Zu Beginn des Beitrags wird ein Gutachten verlesen, das ein Graphologe anhand von Grass’ Handschrift erstellt hat, ohne zu wissen, um wen es sich handelt.
Anschließend wird mehreren Studierenden an einer Berliner Universität ein Bild von Günter Grass gezeigt. Beinahe alle Befragten erkennen Grass und können ihn mit seinen Tätigkeiten in Verbindung bringen.
Daraufhin wird Grass ausführlich interviewt. Das Gespräch beginnt mit seiner Kindheit. Grass schildert die Verhältnisse, in denen er aufwuchs und erwachsen wurde, die durch zahlreiche Konflikte und weltpolitische Katastrophen geprägt waren. Vor allem deutsch-polnische Konflikte waren für ihn als Kind deutlich spürbar.
Weiter berichtet Grass von seinen Kriegs- und Soldatenerfahrungen sowie von seiner Zeit in Kriegsgefangenschaft, die er als sehr junger Mann gegen Ende des Krieges erlebte. Nach der Kriegsgefangenschaft verrichtete Grass verschiedene körperliche Arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Erst zwei Jahre nach Kriegsende erfuhr er über Verwandte, wo seine Eltern infolge von Vertreibung und Flucht lebten.
Schließlich begann Grass eine Lehre zum Steinmetz und Bildhauer in Düsseldorf. Nach der Lehre nahm er ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin auf. Während dieser Zeit finanzierte er sich mit einem kleinen Stipendium sowie durch Arbeit auf dem Bau in den Semesterferien. Grass sieht sich bis heute auch als bildender Künstler und nicht nur als Literat, auch wenn seine künstlerische Tätigkeit inzwischen weniger ausgeprägt ist. Sein Werdegang zeichne sich durch großes
Selbstvertrauen und Ehrgeiz aus, was schließlich zu seinem Erfolg beigetragen habe. Besonders stolz sei er auf den Roman „Hundejahre“.
Auch Lektor Klaus Roehler wird zu seiner engen Zusammenarbeit mit Grass interviewt. Er erläutert den Schreib- und Veröffentlichungsprozess von Grass’ Romanen und betont, dass die Zusammenarbeit unkompliziert sei. Grass sei ungewöhnlich offen für Kritik und betrachte auch sein eigenes Werk selbstkritisch. Zudem entwickle er sich sowohl literarisch und stilistisch als auch politisch stetig weiter, was sich in seinen Werken widerspiegele.
Roehler spricht außerdem über das Verhältnis zwischen der Studentenbewegung und Grass. Viele Studierende seien von Grass’ moderater, sozialdemokratischer Politik enttäuscht und werfen ihm vor, kein moderner Autor mehr zu sein.
Auch Grass selbst erklärt den Prozess der Fertigstellung eines Werkes aus seiner Perspektive. Beim Schreiben ziehe er sich stark zurück, insbesondere wenn er an einem Manifest arbeite. Zudem erzählt er von seiner Frau Anna und davon, wie sie sich kennengelernt haben.
Ein weiteres Thema ist seine politische Tätigkeit als Schriftsteller. Konservative Kritiker bemängeln, dass ein Schriftsteller nichts in der Politik zu suchen habe. Auch aus der Opposition wird er für seine politischen Positionen kritisiert. Teilweise kommt Kritik sogar aus der SPD, etwa von Herbert Wehner. Grass betont jedoch, dass sich diese Differenzen meist leicht klären ließen. Insgesamt habe ihn die SPD mit offenen Armen empfangen und seine Unterstützung dankbar angenommen.
Er kritisiert insbesondere Stimmen aus dem linken politischen Lager. Diese sollten sich seiner Meinung nach stärker auf Rechtsextremismus und Konservatismus konzentrieren, statt, wie schon zu Zeiten der Weimarer Republik, städnig die Sozialdemokratie anzugreifen. Dies spiele letztlich den politischen Gegnern in die Hände.
Auch der SPD-Politiker und Bundesjustizminister Horst Ehmke wird zu Grass befragt. Er bezeichnet ihn als einen der politischsten Schriftsteller Deutschlands, der sich im Laufe der Zeit große politische Kompetenz angeeignet habe. Grass sei eine Bereicherung für die SPD, auch wenn Ehmke nicht immer seiner Meinung sei. Er stellt die Überlegung an, wie sich die Weimarer Republik entwickelt hätte, wenn sich etwa Thomas Mann ähnlich politisch engagiert hätte wie Grass. Als gebürtiger Danziger fühlt sich Ehmke Grass zudem persönlich verbunden.
Grass selbst berichtet, dass sein politisches Interesse geweckt wurde, als er als 19-Jähriger eine Rede von Kurt Schumacher hörte. Dessen „fanatische Ehrlichkeit“ habe ihn beeindruckt, aber auch erschreckt. Einen entscheidenden Anstoß für sein eigenes politisches Engagement habe jedoch die Diffamierungskampagne gegen Willy Brandt gegeben, die laut Grass unter anderem von Franz Josef Strauß, Hans Kampfinger und Konrad Adenauer ausging. Besonders verweist er auf die „Regensburger Rede“, in der auf Brandts Herkunft als uneheliches Kind angespielt wurde. Grass bedauert, dass diese Aussagen öffentlich kaum kritisiert wurden. Ein politisches Amt strebe er jedoch nicht an.
Ehmke ist der Ansicht, dass Grass’ größter Einfluss darin liege, dass er eine gewisse „Halbdistanz“ zur Politik wahre.
Weiter berichtet Grass, dass er sein Leben in Berlin sehr schätze. Er kritisiert, dass die Stadt häufig in ein negatives Licht gerückt werde, und wünscht sich mehr Unterstützung aus Westdeutschland, etwa durch die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Zudem spricht Grass über seine Rückkehr nach Danzig. Diese sei einerseits ein Heimkommen gewesen, andererseits habe er die Stadt auch als fremd empfunden. Das Stadtbild sei nach den Kriegsschäden grundlegend erneuert worden, wenn auch auf geschmackvolle Weise. Auch die Bevölkerungsstruktur habe sich infolge des Krieges stark verändert. Grass bedauert zutiefst, dass den vertriebenen Danzigern, insbesondere durch die Regierung Adenauer, lange Hoffnung auf eine Rückkehr gemacht wurde.
Für Grass sind Politik und Literatur untrennbar miteinander verbunden. Er schreibe als Bürger und nicht in einem Vakuum. Bereits seine Literatur sei eine Form politischer Beteiligung. Dabei rechne er mit Widerstand und suche diesen teilweise sogar bewusst. Darüber dürfe man sich also nicht beklagen.
Auch die Kabarettistin Ursula Herking wird zu Günter Grass interviewt. Sie beschreibt ihn als humorvollen Menschen und kann sich gut vorstellen, künftig mit ihm zusammenzuarbeiten. Ihrer Meinung nach habe er großes Talent für Kabarett-Texte, und sie habe ihn in einem Briefwechsel bereits darum gebeten. Sie lernte ihn zu Beginn seiner Karriere kennen, als er bei einem Treffen der Gruppe 47 aus „Die Blechtrommel“ las. Ein Auftritt, der sie nachhaltig beeindruckte. Sie beschreibt Grass als engagiert, sensibel und politisch kompetent.
Abschließend erwähnt Grass, dass sein neuer Roman „Örtlich Betäubt“ bald erscheinen werde, ohne jedoch inhaltliche Details zu verraten. Die erste Person, die seine Manuskripte liest, sei seine Frau Anna, die ihn stets kritisch begleite. Dies schätzt Grass und fordert ihre Kritik sogar ein.
Günter Grass wird als Literat und Intellektueller diskutiert und porträtiert.
Zu Beginn des Beitrags wird ein Gutachten verlesen, das ein Graphologe anhand von Grass’ Handschrift erstellt hat, ohne zu wissen, um wen es sich handelt.
Anschließend wird mehreren Studierenden an einer Berliner Universität ein Bild von Günter Grass gezeigt. Beinahe alle Befragten erkennen Grass und können ihn mit seinen Tätigkeiten in Verbindung bringen.
Daraufhin wird Grass ausführlich interviewt. Das Gespräch beginnt mit seiner Kindheit. Grass schildert die Verhältnisse, in denen er aufwuchs und erwachsen wurde, die durch zahlreiche Konflikte und weltpolitische Katastrophen geprägt waren. Vor allem deutsch-polnische Konflikte waren für ihn als Kind deutlich spürbar.
Weiter berichtet Grass von seinen Kriegs- und Soldatenerfahrungen sowie von seiner Zeit in Kriegsgefangenschaft, die er als sehr junger Mann gegen Ende des Krieges erlebte. Nach der Kriegsgefangenschaft verrichtete Grass verschiedene körperliche Arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Erst zwei Jahre nach Kriegsende erfuhr er über Verwandte, wo seine Eltern infolge von Vertreibung und Flucht lebten.
Schließlich begann Grass eine Lehre zum Steinmetz und Bildhauer in Düsseldorf. Nach der Lehre nahm er ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin auf. Während dieser Zeit finanzierte er sich mit einem kleinen Stipendium sowie durch Arbeit auf dem Bau in den Semesterferien. Grass sieht sich bis heute auch als bildender Künstler und nicht nur als Literat, auch wenn seine künstlerische Tätigkeit inzwischen weniger ausgeprägt ist. Sein Werdegang zeichne sich durch großes
Selbstvertrauen und Ehrgeiz aus, was schließlich zu seinem Erfolg beigetragen habe. Besonders stolz sei er auf den Roman „Hundejahre“.
Auch Lektor Klaus Roehler wird zu seiner engen Zusammenarbeit mit Grass interviewt. Er erläutert den Schreib- und Veröffentlichungsprozess von Grass’ Romanen und betont, dass die Zusammenarbeit unkompliziert sei. Grass sei ungewöhnlich offen für Kritik und betrachte auch sein eigenes Werk selbstkritisch. Zudem entwickle er sich sowohl literarisch und stilistisch als auch politisch stetig weiter, was sich in seinen Werken widerspiegele.
Roehler spricht außerdem über das Verhältnis zwischen der Studentenbewegung und Grass. Viele Studierende seien von Grass’ moderater, sozialdemokratischer Politik enttäuscht und werfen ihm vor, kein moderner Autor mehr zu sein.
Auch Grass selbst erklärt den Prozess der Fertigstellung eines Werkes aus seiner Perspektive. Beim Schreiben ziehe er sich stark zurück, insbesondere wenn er an einem Manifest arbeite. Zudem erzählt er von seiner Frau Anna und davon, wie sie sich kennengelernt haben.
Ein weiteres Thema ist seine politische Tätigkeit als Schriftsteller. Konservative Kritiker bemängeln, dass ein Schriftsteller nichts in der Politik zu suchen habe. Auch aus der Opposition wird er für seine politischen Positionen kritisiert. Teilweise kommt Kritik sogar aus der SPD, etwa von Herbert Wehner. Grass betont jedoch, dass sich diese Differenzen meist leicht klären ließen. Insgesamt habe ihn die SPD mit offenen Armen empfangen und seine Unterstützung dankbar angenommen.
Er kritisiert insbesondere Stimmen aus dem linken politischen Lager. Diese sollten sich seiner Meinung nach stärker auf Rechtsextremismus und Konservatismus konzentrieren, statt, wie schon zu Zeiten der Weimarer Republik, städnig die Sozialdemokratie anzugreifen. Dies spiele letztlich den politischen Gegnern in die Hände.
Auch der SPD-Politiker und Bundesjustizminister Horst Ehmke wird zu Grass befragt. Er bezeichnet ihn als einen der politischsten Schriftsteller Deutschlands, der sich im Laufe der Zeit große politische Kompetenz angeeignet habe. Grass sei eine Bereicherung für die SPD, auch wenn Ehmke nicht immer seiner Meinung sei. Er stellt die Überlegung an, wie sich die Weimarer Republik entwickelt hätte, wenn sich etwa Thomas Mann ähnlich politisch engagiert hätte wie Grass. Als gebürtiger Danziger fühlt sich Ehmke Grass zudem persönlich verbunden.
Grass selbst berichtet, dass sein politisches Interesse geweckt wurde, als er als 19-Jähriger eine Rede von Kurt Schumacher hörte. Dessen „fanatische Ehrlichkeit“ habe ihn beeindruckt, aber auch erschreckt. Einen entscheidenden Anstoß für sein eigenes politisches Engagement habe jedoch die Diffamierungskampagne gegen Willy Brandt gegeben, die laut Grass unter anderem von Franz Josef Strauß, Hans Kampfinger und Konrad Adenauer ausging. Besonders verweist er auf die „Regensburger Rede“, in der auf Brandts Herkunft als uneheliches Kind angespielt wurde. Grass bedauert, dass diese Aussagen öffentlich kaum kritisiert wurden. Ein politisches Amt strebe er jedoch nicht an.
Ehmke ist der Ansicht, dass Grass’ größter Einfluss darin liege, dass er eine gewisse „Halbdistanz“ zur Politik wahre.
Weiter berichtet Grass, dass er sein Leben in Berlin sehr schätze. Er kritisiert, dass die Stadt häufig in ein negatives Licht gerückt werde, und wünscht sich mehr Unterstützung aus Westdeutschland, etwa durch die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Zudem spricht Grass über seine Rückkehr nach Danzig. Diese sei einerseits ein Heimkommen gewesen, andererseits habe er die Stadt auch als fremd empfunden. Das Stadtbild sei nach den Kriegsschäden grundlegend erneuert worden, wenn auch auf geschmackvolle Weise. Auch die Bevölkerungsstruktur habe sich infolge des Krieges stark verändert. Grass bedauert zutiefst, dass den vertriebenen Danzigern, insbesondere durch die Regierung Adenauer, lange Hoffnung auf eine Rückkehr gemacht wurde.
Für Grass sind Politik und Literatur untrennbar miteinander verbunden. Er schreibe als Bürger und nicht in einem Vakuum. Bereits seine Literatur sei eine Form politischer Beteiligung. Dabei rechne er mit Widerstand und suche diesen teilweise sogar bewusst. Darüber dürfe man sich also nicht beklagen.
Auch die Kabarettistin Ursula Herking wird zu Günter Grass interviewt. Sie beschreibt ihn als humorvollen Menschen und kann sich gut vorstellen, künftig mit ihm zusammenzuarbeiten. Ihrer Meinung nach habe er großes Talent für Kabarett-Texte, und sie habe ihn in einem Briefwechsel bereits darum gebeten. Sie lernte ihn zu Beginn seiner Karriere kennen, als er bei einem Treffen der Gruppe 47 aus „Die Blechtrommel“ las. Ein Auftritt, der sie nachhaltig beeindruckte. Sie beschreibt Grass als engagiert, sensibel und politisch kompetent.
Abschließend erwähnt Grass, dass sein neuer Roman „Örtlich Betäubt“ bald erscheinen werde, ohne jedoch inhaltliche Details zu verraten. Die erste Person, die seine Manuskripte liest, sei seine Frau Anna, die ihn stets kritisch begleite. Dies schätzt Grass und fordert ihre Kritik sogar ein.